Wie bekämpfen Flughäfen die Ausbreitung von Krankheiten?


15.10.2020

Der Befund ist eindeutig. Nicht der Flug, sondern vor allem die sozialen Aktivitäten vor und nach der Flugreise stellen ein Problem für die Gesundheitssicherheit dar. Durch die Quarantäne werden leider die Länder bestraft, die am meisten testen. Am Dienstagabend, 13. Oktober, ging es bei einer von der Universität Genf und Genève Aéroport organisierten Gesprächsrunde um das Thema Pandemiemanagement an Flughäfen. Experten und Wissenschaftler des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und der Universität Genf nahmen daran teil.

Die Gesundheitskrise macht einmal mehr deutlich, dass Epidemien schon immer Handelswegen gefolgt sind, um sich auszubreiten. Allerdings haben die weltweiten Gesundheitsbehörden den internationalen Reise- und Handelsverkehr stark reguliert. Die Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) legen spezifische Massnahmen fest, die in Häfen und Flughäfen sowie an den Grenzübergängen umzusetzen sind.

«Anfangs handelte es sich vor allem um eine Gesundheitskrise, heute muss sie auf horizontaler, departementsübergreifender Ebene bewältigt werden, mit dramatischen Auswirkungen auf den sozialen und wirtschaftlichen Bereich», so beginnt der Grenzarzt Didier Pittet seinen Vortrag. Seiner Meinung nach «darf der Austausch aus gutem Grund nicht unterbrochen werden, denn das Risiko, sich in einem Flugzeug anzustecken, ist bei Kurz- oder Mittelstreckenflügen verschwindend gering oder gar nicht vorhanden». Und André Schneider, Generaldirektor von Genève Aéroport, weist darauf hin, dass es sich bei 95% der Flüge, die von Genf aus starten, um Kurzstreckenflüge innerhalb Europas handelt.

Das Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren, wäre viel grösser, wenn bei einem Passagier mehrere Faktoren zusammenkämen: auf einem Langstreckenflug ohne Maske neben einem Covid-positiven Passagier zu sitzen. Doch dies ist eher höchst unwahrscheinlich! Antoine Flahault, Direktor des Institute of Global Health an der Universität Genf, beruhigte das anwesende Publikum, indem er daran erinnerte, dass «die Lufterneuerung in Boeings und Airbussen mindestens sechsmal pro Stunde erfolgt, was das Risiko, durch Aerosolisierung belastet zu werden, stark reduziert. Die Kabine eines Flugzeugs ist einer der sichersten Orte in Bezug auf die Luftfilterung».

Quarantänen

Auf die Frage nach der obligatorischen Quarantäne bei der Rückkehr aus einem Risikoland angesprochen, räumt Virginie Masserey vom BAG ein, dass das System unvollkommen und die Kriterien nicht ideal seien, da einige Regionen innerhalb desselben Landes stärker betroffen sind als andere: «Wir mussten uns auf einen Indikator für unsere Liste einigen. Sie ist nach wie vor ein wichtiges Instrument, das immerhin eine abschreckende Wirkung hatte und die Einschleppung des Virus verlangsamt hat. Wenn Sie in der Schweiz bleiben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich mit dem Virus infizieren, zehnmal geringer als wenn Sie aus einem Risikoland zurückkehren. Es ist nicht leicht, die ideale Lösung zu finden, um das Einschleppen des Virus durch Reisende zu verhindern. Wir haben es nicht geschafft, wir hätten die wirtschaftlichen Folgen gerne vermieden», bedauert sie.

Schnelltests und Impfungen

Auch die Frage der Schnelltests bei Abflug oder Ankunft auf Flughäfen wurde in der Gesprächsrunde am 13. Oktober besprochen. Frau Masserey erinnerte daran, dass die Rolle des BAG darin besteht, zu empfehlen, wann und wie die Tests anzuwenden seien, wobei sie darauf hinwies, dass es kein Nullrisiko gebe. Zudem sei es wichtig, Tests von Fachleuten durchführen zu lassen, um Fehldiagnosen zu vermeiden.

Professor Pittet betonte seinerseits, es sei unerlässlich, in sehr grossem Umfang zu testen, um die Übertragungsketten besser verstehen und unterbrechen zu können. Er erläuterte, dass «80% der Übertragungsketten im Kanton Genf bekannt sind: 30% betreffen den familiären Bereich, 20% die Arbeit und 15% soziale Aktivitäten (Bars, Diskotheken usw.)». Die Tests seien sowohl zum Erkennen asymptomatischer Personen als auch für die Diagnose wertvoll.

Die weniger empfindlichen und daher weniger genauen Schnelltests sollten innerhalb weniger Monate validiert werden. Sie werden den Umgang mit der Pandemie verändern und können zu Hause durchgeführt werden, auch wenn sie weniger zuverlässig sind, so Professor Antoine Flahault: «Der Glaube an absolute Sicherheit ist ein Hirngespinst, wenn wir wieder wie vorher leben möchten. Seien wir lieber pragmatisch wie die Japaner, die sich die maximale Eindämmung der Virusverbreitung zum Ziel gesetzt haben».

Zurzeit werden 40 von 130 Impfstoffen klinisch untersucht, aber nur wenige sind in der Endphase. «Der Impfstoff wäre ideal, um eine Immunität bei 60% der Bevölkerung zu erreichen», so die Leiterin der Sektion Infektionskontrolle des BAG. Dennoch werden wir in den nächsten Monaten noch Geduld haben und mit den notwendigen Einschränkungen leben müssen. Genève Aéroport erwägt seinerseits in Zusammenarbeit mit dem BAG neue Gesundheitsmassnahmen, und die Flughäfen müssen die Rolle eines operationellen Vermittlers einnehmen.

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5. November Konferenz mit André Borschberg, Gründer von Solar Impulse

17. Dezember Null-Emission, Mythos oder Realität?

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